Ist Teledenistry die Zukunft der Zahnmedizin?

Virtuelle Hausbesuche: Wie Tele-Zahnmedizin Ihnen helfen kann, mehr Patienten zu erreichen   

Medizinische Zahnversorgung Ihrer Patienten auf elektronischem Wege mittels Laptop und Internet, soll dem traditionellen Behandlungszimmer in Zukunft Konkurrenz machen. Dies mag für Sie ungewöhnlich oder gar unmöglich klingen, doch die Telemedizin wird in der Tat immer bedeutender.

Die Erfahrungen praktizierender Zahnärzte und Zahnarzthelfern (1), sowie anerkannte akademische Studien (2), belegen die Wirksamkeit der virtuellen Zahnmedizin, also den Einsatz moderner Kommunikations- und Informationstechnologie zur Bereitstellung medizinischer Ferndienstleistungen.

In diesem Artikel beschreiben wir, was Tele-Zahnmedizin ist, welche Vor- und Nachteile damit verbunden sind und wie diese Art der modernen Gesundheitsdienstleistung Ihnen und Ihren Patienten letztendlich helfen kann.

Was ist Tele-Zahnmedizin?

Tele-Zahnmedizin ist eine Form der elektronischen Gesundheitsdienstleistung oder Telemedizin, bei der moderne Kommunikations- und Informationstechnologien (wie Internet, Videotelefonie und Smartphones) eingesetzt werden, um medizinische Beratung, Aufklärung und Pflege unabhängig des Aufenthaltsorts zu ermöglichen (3).

Es geht jedoch nicht darum, die persönliche medizinische Versorgung zu ersetzen, sondern Zahnmedizinische Dienstleistungen in Situationen zu ermöglichen, in denen sie andernfalls nicht möglich wären (wie auf Reisen oder im Falle fehlender Fachkräfte).

Richtig angewandt, unterscheidet sich Telemedizin weitestgehend kaum von der konventionellen medizinischen Dienstleistung der Hausbesuche. Dadurch kann also qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung auch für Patienten angeboten werden, die nicht persönlich zu Ihnen kommen können.

Bereits im Jahre 1994 zeigte das Total Dental Access Project der US Army, dass die Möglichkeiten der Telemedizin auch in der Zahnmedizin Anwendung finden können. Einerseits können die Kosten für die Patientenversorgung durch Tele-Zahnmedizin enorm reduziert werden, andererseits kann damit die Zahnversorgung auch in abgelegenen Wohnbereichen angeboten werden, ohne die Qualität der Diagnose oder Behandlung zu beeinträchtigen (4).

Recherchen über die Entwicklung der Tele-Zahnmedizin zeigen, dass es sich nicht um eine Modeerscheinung von Tech-Enthusiasten handelt, die lediglich von der Allgegenwärtigkeit von Smartphones überzeugt sind. Im Gegenteil, viele der heute zur Verfügung stehenden innovativen Technologien zeigen deutlich, dass das Versprechen der Tele-Zahnmedizin in den vergangenen zwei Jahrzenten mittlerweile auch von Zahnmedizinern anerkannt wird, die bereit sind neue und digitale Behandlungsformen einzusetzen.

Wie funktioniert Tele-Zahnmedizin?

Tele-Zahnmedizin kann auf zwei unterschiedliche Arten stattfinden. Die synchrone Tele-Zahnmedizin umfasst die Interaktion mit Patienten in Echtzeit, in der Regel über Videotelefonie, bei denen Sie mit dem Patienten (z. B. während er zu Hause ist) über einen Laptop oder ein Smartphone sprechen können.

In der Regel befindet sich ein Assistent oder Dentalhygieniker beim Patienten vor Ort, der bei der Diagnose helfen und die Behandlungsplanung unter Anleitung des Zahnarztes besprechen kann (5). 

Die asynchrone Tele-Zahnmedizin (oder das sogenannte Store-and-Forward-Prinzip) trennt die Untersuchung am Ort des Patienten, üblicherweise durchgeführt von einem Dentalhygieniker von der darauffolgenden Beurteilung.

Der Dentalhygieniker speichert und sendet Bilder und relevante Informationen an den Zahnarzt, damit dieser die Daten zu einem späteren Zeitpunkt überprüfen kann (6). Natürlich hat jedes Land seine eigenen Richtlinien in Bezug auf Tele-Medizin, und die spezifischen Regeln und Vorschriften können sich regional stark unterscheiden.

Die Situation in Deutschland

Deutschland hinkt aufgrund des allgemeinen Fernbehandlungsverbots im Ärzte-Kodex (MBO-A) (19) in der Telemedizin etwas hinterher. Zahnärzte sind zwar nicht zwingend an diesen Kodex gebunden, in den meisten Ländern ist das Ansehen von Tele-Dentologie aber erst im Zuge erfolgreicher Telemedizinischer-Projekte in anderen Bereichen des Gesundheitswesens gestiegen.

Es ist wahrscheinlich, dass Deutschland moderne Möglichkeiten der Tele-Dentologie im Vergleich zu anderen europäischen Ländern langsamer einsetzen wird. Ein erfolgreiches Tele-Zahnmedizin-Projekt aus dem Jahr 2017, welches in einem Pflegeheim durchgeführt wurde, zeigt jedoch, dass diese Behandlungsform in Deutschland immer beliebter wird (20). Im Vergleich zur Entwicklung in anderen Ländern könnten Zahnmediziner in Deutschland sogar das Feld der Telemedizin anführen.

Was benötigen Sie für Tele-Zahnmedizin?

Sie können, unabhängig von der angebotenen Art der Tele-Zahnmedizin, mit allen üblichen Online-Kommunikationsmitteln beginnen. Auch die Interaktion mit Patienten kann mittels kostenlosen Computer- und Smartphone-Apps wie Skype und FaceTime erfolgen.

Für die Untersuchung beim Patienten vor Ort kann eine leichte, tragbare Intraoralkamera verwendet werden; die benötigten Aufnahmen werden im Anschluss an den Zahnarzt gesendet (7).

Für die Übermittlung einwandfreier Diagnosebilder und medizinischer Informationen, sowie für die Durchführung einer Live-Videokonferenz sind, wenn gewünscht, lediglich ein Laptop auf beiden Seiten sowie eine sichere und leistungsstarke Internetverbindung nötig.

Für Diejenigen, die Ihre angebotenen Tele-Zahnmedizin-Services erweitern möchten, gibt es All-in-One-Programme, die unterschiedliche Ferndienstleistungen als festen Bestandteil Ihrer Praxis integrieren. TeleDent von MouthWatch beispielsweise ist eine optimierte Software, die Sie bei der Durchführung von Fernbehandlungen optimal unterstützt. Selbstverständlich obliegt es jedem Arzt selbst, sicherzustellen, dass sich die verwendeten Programme geeignet und sinnvoll in die zahnmedizinische Dienstleistung integrierbar sind, um diese im Einzelfall oder routinemäßig anzubieten. 

Für wen ist Tele-Zahnmedizin geeignet?

Die klassischen Patientengruppen für Tele-Zahnmedizin sind Senioren in Pflegeheimen, Schulkinder, die für einen örtlichen Termin auf ihre berufstätigen Eltern angewiesen sind oder Angst vor Zahnarztpraxen haben und sich in vertrauter Umgebung wohler fühlen, sowie isolierte und abgelegene Gemeinden in weiter Entfernung zu einem Zahnarzt.

Mittlerweile gibt es hierzu unzählige überprüfte Fallstudien. So wurden beispielsweise Fern-Dienstleistungen in isolierten Gemeinden in Australien und Alaska sehr erfolgreich eingesetzt. In einigen Fällen konnten dadurch Menschen, die 20 oder 30 Jahre keinen Zahnarzt konsultierten, zahnmedizinisch behandelt werden (9).

In Frankreich ermöglichte 2017 ein Pilotprojekt im Bereich der Tele-Zahnmedizin eine verbesserte Zahnpflege für Gefängnisinsassen (10). Eine Studie in Georgia, USA, ergab, dass Tele-Zahnmedizin nicht nur den Zugang zur zahnärztlichen Versorgung verbessert, sondern sich auch die Anzahl nicht wahrgenommener oder kurzfristig abgesagter Termine verringert, welches Zahnärzten eine effektivere Planung ermöglicht (11).

 

Was sind die Risiken?

In vielen Fällen wird die Finanzierung als Hindernis angeführt (13). Viele der erwähnten Studien wurden aus öffentlichen Mittel, Zuschüssen sowie groß angelegten Untersuchungen finanziert, für die ein Netzwerk von Kliniken, Patienten und Spezialisten erforderlich war.

Auch das Thema Ethik und Vertraulichkeit ist aus praktizierender Arztperspektive besondere Beachtung zu schenken. Seien Sie sich der Auswirkungen bewusst und beachten Sie alle notwendigen Sorgfaltspflichten, bevor Sie Tele-Zahndienstleistungen anbieten.

Wie rasch kann man mit Tele-Zahnmedizin beginnen?

Die oben genannten Risiken können die Einführung der Tele-Zahnmedizin etwas verzögern, doch wird diese Art der Dienstleistungserweiterung in den kommenden Jahren wahrscheinlich rasch an Boden gewinnen. Die Einbeziehung der Tele-Zahnmedizin in den American Dental Association Code on Dental Procedures and Nomenclature (CDT), welcher dieses Jahr beginnt, zeigt, dass sie als gängige Praxis in das Repertoire von Zahnmedizinern aufgenommen wird.

Dies spiegelt sich in der Tatsache wider, dass Versicherungen zahnmedizinische Ferndienstleistungen immer häufiger gleich wie konventionelle, in der Zahnarztpraxis durchgeführte, Behandlungsleistungen decken (15).

Die Initiative zu ergreifen und Ihrer Patientenzielgruppe Tele-Dienstleistungen anbieten, könnte sich für Ihre Praxis jedenfalls lohnen. Durch den Einsatz von Tele-Zahnmedizin können darüber hinaus neue Patientengruppen angezogen werden, für die eine Behandlung in einer Praxis nicht in Frage kommt und dennoch Ihre Dienstleistungen beanspruchen möchten.

Tele-Zahnmedizin ermöglicht es Ihnen, Ihr Behandlungsangebot einer größeren Gruppe von Menschen verfügbar zu machen, die Sie andernfalls nicht erreichen könnten.

Niemand möchte behaupten, dass Skype, FaceTime oder auch TeleDent die Zahnarztpraxis ersetzen können. Der „virtuelle Hausbesuch" mittels Tele-Zahnmedizin erlaubt es lediglich, Ihren Behandlungsstuhl für alle wirklich notwendigen Fälle freizuhalten, ohne Kompromisse bei der Versorgung eines Patienten in Kauf nehmen zu müssen.

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